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Die (R)evolution der Suchmaschinen?

Erinnert sich noch jemand an seine ersten Schritte im Internet? „Damals“ gab es nur einige wenige Webseiten, und man wusste zunächst gar nicht, was das mit diesem Internet eigentlich sollte. Etwas später, mittlerweile war die Anzahl der Webseiten rasant gestiegen, benutze man Suchmaschinen, um den gewünschten Content zu finden. Zu jener Zeit ganz weit vorne: Altavista, Fireball, Lycos, Yahoo und AOL – bis, ja bis ein kleines, freches Unternehmen daher kam, und den vollgepackten, unübersichtlichen Seiten mit einem völlig neuen Konzept entgegen trat – einer fast leeren Seite, auf der es lediglich eine Suchbox gab, um seine Anfrage zu stellen. Der Rest ist Geschichte ...
Heute ist Google eines der weltweit erfolgreichsten Internet-Unternehmen mit nahezu schwindelerregendem Marktanteil in fast allen Ländern der Welt. Wie vor einigen Jahren, gibt es auch aktuell wieder Bestrebungen, dem etablierten Platzhirschen Konkurrenz zu machen – vor kurzem gelauncht wurden Wolfram Alpha und Microsofts Bing, die beide, mit unterschiedlichen Zielen und Konzepten, versuchen, Google Marktanteile abzuwerben. Google selbst ist jedoch auch nicht untätig und reagiert mit der neuartigen Suche Google Squared. Alle drei neuen Formate sollen hier kurz vorgestellt werden.

WolframAlpha

„Making the world's knowledge computable“ lautet der Leitspruch der vom britischen Internet-Millionär Stephen Wolfram entwickelten Suchmaschine. (Pikanterweise war übrigens Google-Gründer Sergey Brin Angestellter bei Wolframs ehemaliger Firma „Wolfram Research“.) Der Anspruch von Wolfram Alpha steht gleichzeitig für die Außergewöhnlichkeit des Projektes – und für eine am Ende des Tages wahrscheinlich doch eher eingeschränktere Nutzergruppe. Denn anders als die bekannten Suchmaschinen erhält man hier auf seine Suchanfrage keine Liste von Ergebnissen, die mal mehr, mal weniger passend sind, sondern konkrete Antwort(en). So lassen sich in vortrefflicher Art und Weise zum Beispiel die Bruttoinlandsprodukte von Frankreich und Deutschland in Relation zur jeweiligen Bevölkerung dar- und gegenüberstellen. Sucht man jedoch nach dem neuen iPhone 3G s, findet man bei Wolfram Alpha keine Antwort – während es bei Google 181.000.000 Treffer gibt. Für kommerzielle Suchen ist dieses Tool demnach weniger geeignet – es findet sich derzeit auch (noch) keine Werbung auf den Ergebnisseiten. Wer jedoch wissen möchte, wie viele Tage er schon auf diesem Planeten verweilt oder wie viel Grad es am Tag der Mondlandung in Cape Canaveral waren, ist hier bestens aufgehoben. Die weitere Entwicklung wird zeigen, inwiefern Wolfram Alpha einen festen Platz im Suchalltag des Users einnimmt. Einfach selbst einmal ausprobieren – Spaß macht dieser neue und andere Ansatz der Informationsbeschaffung in jedem Fall.

Screenshot WolframAlpha

Screenshot WolframAlpha

bing

Ganz anders sieht es bei Googles großem Konkurrenten Microsoft aus. War man in der Vergangenheit bei der Mission, vom riesigen SEM-Kuchen ein möglichst großes Stück abzubekommen, noch grandios gescheitert (Live Search), soll es ab sofort die neue Suchmaschine Bing richten. Der erste Eindruck ist in der Tat vielversprechend: zunächst fällt die schön gemachte Startseite auf, die anders als Google nicht mit einem leeren Hintergrund aufmacht, sondern mit sehr schönen, angenehm zu betrachtenden Fotografien. Die Suchergebnisseite sieht dann so ähnlich aus, wie man es gewohnt ist – natürlicher Index in der Mitte, gesponserte Anzeigen oben und am rechten Rand. Ganz links befindet sich jedoch ein zusätzlicher Bereich, der dem User eine inhaltliche Vorsortierung anbietet. Diese „verwandten Suchvorgänge“ gruppieren die Ergebnisse bei der Suche nach „Depeche Mode“ beispielsweise in „Forum“, „Party“ und „Video“ und liefern weitere Links zu Dave Gahan (allerdings auch zu Silbermond und Resident Evil?!). Darüber hinaus gibt es, zumindest in den USA, die Kategorien Reise, Gesundheit und Shopping (auch in Deutschland), welche die Buchung eines Trips, renommierte wissenschaftliche Artikel oder die günstigsten Preise für Konsumgüter gleich anzeigen, ohne dass man die Seite verlassen muss.
Die erste Resonanz auf die neue Suchmaschine war bislang durchaus positiv, abzuwarten bleibt, ob sich der User von seinem „gelernten“ Google-Reflex abbringen lässt und die Fronten wechselt.

Screenshot bing

Screenshot bing

NB: Die Seite Blind Search führt derzeit ein spannendes Projekt durch: wenn man eine Suchanfrage startet, werden einem die Ergebnisse der drei Suchmaschinen Google, Bing und Yahoo nebeneinander angezeigt – allerdings ohne, dass man weiß, welches Ergebnis zu welcher Suchmaschine gehört. Hat man die verschiedenen Ergebnisse vor sich, wird man aufgefordert abzustimmen, welche Engine die Anfrage am besten beantwortet. Leider kann man derzeit nicht die Auswertung sehen, da die Abstimmung gespammt wurde, eine Auflösung soll jedoch noch nachgereicht werden.

Google Squared

Google bringt mit „Squared“ eine Erweiterung bzw. andersartige Darstellung der Ergebnisse auf den Markt. Es handelt sich hierbei um eine Aufbereitung von Suchergebnissen in tabellarischer Form. Welchen Nutzen diese Aufteilung hat, möge ein jeder selbst ergründen, zumindest lassen sich auch hier verschiedene Werte miteinander vergleichen. Sucht man beispielsweise nach „European Capitals“ bekommt man in einer Spalte zehn europäische Hauptstädte untereinander aufgelistet (darunter allerdings auch „Yugoslavia“?!). Die von Google erzeugten zugehörigen Spalten lauteten im Versuch „Image“, „Description“, „Motto“, Inscription“ und „Reference“. Teilweise blieben die zugehörigen Felder jedoch leer, teilweise war der Inhalt nicht logisch verständlich. Man kann jedoch sowohl die Anzahl der Zeilen erhöhen (und sich z. B. 10 weitere Hauptstädte anzeigen lassen), als auch eigene Einträge hinzufügen. Auch Spalten lassen sich ergänzen, sodass zumindest die Anfrage nach „Population“ für alle Städte (bis auf Madrid) korrekte Angaben brachte. Nicht umsonst ist Squared ein Projekt aus den „Google Labs“ – auch hier wird es wohl weitere Entwicklungen geben, und je feiner der Inhalt ausjustiert wird, desto spannender dürfte die Arbeit mit den Tabellen werden.

Screenshot Google Squared

Screenshot Google Squared

Es tut sich also einiges auf dem Suchmaschinenmarkt – ganz so spektakulär wie einst der Siegeszug von Google dürften die aktuellen Anstrengungen jedoch nicht ausfallen – warten wir es ab ...



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