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Paid Content zum Nulltarif

Inwieweit Verlage ihre Inhalte nach wie vor kostenlos zur Verfügung stellen, ist nicht erst seit der „Konfrontation“ von Rupert Murdoch und Google ein Thema. Hierzulande hat der Axel Springer Verlag seinen bisher frei verfügbaren Content in den Online-Angeboten des Hamburger Abendblatts und der Berliner Morgenpost zumindest teilweise auf ein Bezahlmodell umgestellt: wer die lokalen Nachrichten in Hamburg lesen möchte (und kein Abonnent ist), muss künftig knapp 8 EUR/Monat berappen, in Berlin ist man mit knapp 5 EUR/Monat mit von der Partie.

Allerdings ist der Schutz der Inhalte nur sehr rudimentär umgesetzt – da Verlage nach wie vor auf diejenigen Leser angewiesen sind, die ihnen Google & Co. durch Aufnahme der Beiträge in die Ergebnislisten oder Google News zuspülen, kann man sich eines einfachen Tricks behelfen, um den Content nach wie vor ohne Bezahlung zu lesen:

So sieht die neue Startseite des Hamburger Abendblatts aus (Ausschnitt). Wie man sieht, ist der Artikel „Die Norddeutschen sind für 2010 besonders zuversichtlich“ mit einem orangefarbenen Euro-Symbol gekennzeichnet:

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Klickt man auf den Link, gelangt man auf die Seite des Artikels, die mit einem kurzen Teaser aufmacht und ebenfalls das Bezahlsymbol enthält:

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Weiter geht es also nur über die Schritte „Registrieren“ und „Kaufen“ ... nur über diese Schritte? Nein, denn wie erwähnt, ist auch dieser Artikel dafür vorgesehen, über den Multiplikator Suchmaschine Leser auf die Seiten des Abendblatts weiterzuleiten.

Man kopiert also die Headline des Beitrags und setzt sie, umgeben von Anführungszeichen, in die Google-Suche ein:

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Daraufhin erscheint folgende Ergebnisseite (Ausschnitt):

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Klickt man nun auf diesen Link, gelangt man erneut auf die Seite des Artikels – dieses Mal allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass nicht nur der Teaser, sondern der gesamte Beitrag lesbar ist (Ausschnitt):

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Es bleibt also derzeit noch bei halbherzigen Versuchen, die eigenen Inhalte in letzter Konsequenz zu monetarisieren – zu groß ist die abhängig von Trafficlieferanten wie Google. Wer technisch weniger beschlagen ist, wird sich bei Interesse wohl auf das Bezahlmodell einlassen – alle anderen sparen sich das Geld und behelfen sichmit diesem kleinen Trick.

Zweifelsohne ist die Debatte über die Bezahlung von Inhalten im Web wichtig und richtig, und auch die Argumentation, dass man als Redaktion nicht umsonst arbeiten möchte („Coffee-Shops verschenken ihren Kaffee ja auch nicht“) ist durchaus nachvollziehbar. Wenn das Produkt jedoch nicht einzigartig ist, und der Leser sich vieler anderer kostenloser Quellen bedienen kann, wird das Bezahlmodell – solange nicht alle an dieser Kette Beteiligten am selben Strang ziehen – wohl scheitern.

Man darf gespannt sein, wie sich die Nutzerzahlen von Abendblatt und Morgenpost entwickeln – und was vor allem die Werbetreibenden davon halten werden, wenn die Zugriffe in den Keller rauschen sollten.



1 Kommentar

  1. leser_1 sagt:

    Auch über: http://mobil.abendblatt.de/ ist der Content weiterhin kostenlos erreichbar. Da würde ich mir als zahlender User ein wenig „verarscht“ vorkommen, auch wenn es für mich „bequemer“ geworden ist den Content so abzurufen. Hat meiner Meinung nach langfristig keine Chance….


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