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Google Update „Vince“ – das Vertrauen in die Marke

Im März des vergangenen Jahres kam „Vince“ über die USA – kein Wirbelsturm, sondern ein Google-Update, welches die amerikanischen Suchergebnisse beeinflusst und für einigen Wirbel gesorgt hat. Der Grund: angeblich wurden seit dem Update große Marken bei der Ausgabe der Resultate bevorzugt. Seit Dezember 2009 wirbelt Vince nun auch in Deutschland – Zeit für ein kleines Zwischenfazit.

Worum geht es eigentlich?

Das Update äußert sich darin, dass unter vielen trafficstarken, generischen Keywords Domains bekannter Marken massiv und zum Teil nicht nachvollziehbar von Google bevorzugt werden. Deren Seiten erscheinen auf den vordersten Plätzen der Suchergebnisseiten, auch wenn sie gar nicht auf den betreffenden Suchbegriff optimiert sind, dieser nicht auf der Seite vorkommt oder die URL kaum crawlbar ist.

So listet eine Google-Suche derzeit zum Beispiel unter dem Keyword "Bekleidung" den C&A Online Shop auf Platz 3, obwohl der Suchbegriff lediglich in den Meta Keywords benannt wird, die bekanntermaßen keine Auswirkungen auf das Ranking haben sollten.

Beobachtungen zeigten, dass das Update alle Bereiche und Keywordumfelder beeinflusst hat, wie folgende Beispiele aus Dezember 2009 zeigen:

  • Kredit - Sparkasse >100 -> 8, DKB 25 -> 1, Easycredit 55 -> 6
  • Mode - OTTO 54 -> 3, Esprit >100 -> 5, Bonprix 70 -> 7
  • Reise - Alltours >100 -> 10, Expedia 4 -> 1, Opodo 22 -> 2
  • Handy - T-Mobile 40 -> 1, Vodafone 43 -> 8 , Nokia 58 -> 5
  • DSL - Alice 9 -> 1, 1und1 27 -> 2, O2 31 -> 9
  • Partnersuche - Elitepartner 9 -> 1, Datingcafe 50 -> 13
  • Cola - Pepsi 15 -> 2, Coca Cola >100 -> 6
  • Hundefutter - Pedigree >100 -> 3

Wie so oft bei Google Updates wirft auch Vince einige Fragen auf:

  1. Warum werden Marken derart bevorzugt, welches Ziel verfolgt Google mit dem Update?
  2. In welcher Form werden Brands bevorzugt, welche technischen oder ggfs. manuellen Mittel nutzt Google zur Definition der Marken und Berechnung deren Rankings?
  3. Welche Auswirkungen wird Vince auf die Suchmaschinenoptimierung im Allgemeinen sowie das Affiliate-Marketing haben?

Warum werden Marken durch Vince bevorzugt?

Google hat sich von Beginn an dem Nutzen für den User verschrieben. Insofern könnte man die Gleichung „Gut für den User = gutes Ranking“ unterstellen, wenn man voraussetzt, dass es gut für den User ist, wenn er auf schnellem, kurzem Wege direkt zur Marke kommt, die er kaufen bzw. über die er sich informieren möchte.
Auf der anderen Seite – wer nach einem Kredit sucht, wird wahrscheinlich weniger zu einer bestimmten Marke tendieren, sondern eher zu den günstigsten Konditionen. Google selbst bestärkt diese Annahme, indem es bei der Eingabe des Keywords „Kredit“ als erstes den Kreditrechner vorschlägt:

kreditrechner

Viel naheliegender ist die Vermutung, dass Google Marken stärken möchte, da deren Inhaber, sprich die Werbetreibenden, bei entsprechendem Erfolg ihre Budgets für Suchmaschinenwerbung steigern werden – was einer Schwächung der Affiliates gleichkommt, die überwiegend von SEO-Maßnahmen leben und an denen Google kein Geld verdient.

Eine andere Überlegung geht in die Richtung, dem Markeninhaber das Buchen von teuren generischen Keywords schmackhaft zu machen, indem man ihn für den organischen Bereich nach oben pusht. Frei nach dem Motto: „Was redaktionell funktioniert, klappt auch bei den Anzeigen – versuchen Sie es doch einfach mal.“

Abschließend und befriedigend lässt sich die Frage nach dem Warum also nicht beantworten, immerhin bleibt ein großer Raum für Spekulationen ...

Wie funktioniert die Bevorzugung von Marken eigentlich?

Es ist anzunehmen, dass ein Großteil der Beurteilungsmaßnahmen technischer Natur sind. Es wäre logisch, wenn Google Marken generischen Begriffen zuordnet, indem die Suchanfragen analysiert und miteinander verbunden werden. Um beim Beispiel Kredit zu bleiben: wenn in erster Instanz nach dem Begriff „Kredit“ gesucht wird, und die nächste Anfrage „Kredit DKB“ lautet – und das nicht nur einmal, sondern häufiger vorkommt, so ist davon auszugehen, dass DKB eine Marke ist, die für das Keyword Kredit für den User von einigem Interesse ist.

Diese Vorgehensweise alleine würde jedoch zum Betrug nahezu einladen, weshalb davon auszugehen ist, dass es zusätzlich noch eine „menschliche Komponente“, sprich ein manuelles Eingreifen gibt.

Wie wirkt sich Vince auf SEO und Affiliate-Marketing aus?

Die Frage nach dem Wie muss mittlerweile eher in ein Ob umformuliert werden. Denn schaut man sich die oben genannten Ergebnisse am heutigen Tag an, so zeigt sich, dass einige der „rising stars“ mittlerweile wieder genau so schnell nach unten durchgereicht wurden, wie sie vor einigen Wochen noch nach oben kamen. Pedigree? Platz 38 (-35). DKB? Platz 17 (-16). Sparkasse? Platz 16 (-8) ... und so weiter:

  • Kredit - Sparkasse 8 -> 16, DKB 1 -> 17
  • Mode - Esprit 5 -> 28
  • Handy - T-Mobile 1 -> 40, Nokia 5 -> 19
  • DSL - Alice 1 -> 15
  • Partnersuche - Elitepartner 1 -> 4
  • Hundefutter - Pedigree 3 -> 38

Also alles doch nur heiße Luft? Das wohl nicht. Aber zumindest ein Indiz dafür, dass es wie eh und je darauf ankommt, SEO als langfristigen Prozess und nicht als kurzfristige Kampagne zu betrachten. Google lässt sich nie so tief in die Karten schauen, wie man es als Optimierer gerne hätte. Von daher gilt es Trends zu beobachten und gegebenenfalls angemessen zu reagieren, aber nicht in Panik zu verfallen.



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