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Strenge Anforderungen an Preisangaben in Preissuchmaschinen

Mit Urteil vom 11. März 2010 formulierte der I. Zivilsenat des BGH kürzlich hohe Anforderungen an Unternehmen, die ihr Angebot über Produktdaten auf Preisvergleichseiten platzieren: Erhöht ein Händler seine Preise und wird diese Änderung verspätet in der Preissuchmaschine angezeigt, kann er wegen Irreführung auf Schadenersatz in Anspruch genommen werden – auch dann wenn, wie allgemein üblich, auf die mangelnde Gewähr der Preise hingewiesen wird.

Beschlossen und verkündet, im Namen des Users ...

Beschlossen und verkündet, im Namen des Users ...

Als Produktdaten werden dateibasierte Werbemittel in Listenform bezeichnet, die eine Schnittstelle zum Angebot des Anbieters darstellen. Sie sind besonders für Retailer und im Reisebereich von enormer Wichtigkeit. Grundinformationen sind dabei z. B. Artikelnummern und -beschreibungen sowie Bilder und Preis. Darüber hinaus machen weitere Angaben, wie etwa Streichpreise und Informationen zur Verfügbarkeit und Versandzeit von Artikeln Sinn.
Ein Kardinalfehler bei Produktdaten ist mangelnde Aktualität. Die Daten müssen zwingend korrekte Produktbeschreibungen, Preise und Landing-Pages enthalten. Alle Angaben, die darüber hinaus gemacht werden, sollten ebenfalls aktuell sein.

Das Gericht argumentiert, dass es Anbietern zuzumuten sei, die Preise erst dann final anzupassen und zu veröffentlichen, wenn diese auch auf den Preisvergleichsseiten angepasst wurden.

Hieraus ergeben sich an gleich drei Stellen Schwierigkeiten:

Der logische Weg der Produktdaten

Die Produktdaten, die vom Anbieter an die Netzwerke gegeben werden, stellen zumeist einen Export des eigenen Warenwirtschaftssystems dar, auf dessen Grundlage auch die Angebotsstruktur des Shops fußt. Zuvorderst werden demnach die Shopdaten aktualisiert, bevor die Daten überhaupt an die jeweiligen Partner gehen. Hier wäre entsprechend ein Vor-Export nötig bzw. ein vom tatsächlichen Angebot losgelöster Feed.

Die unterschiedliche Bearbeitungszeit bei den Vergleichern

Vom Zeitpunkt der Bereitstellung der Produktdaten des Kunden bis zur Aktualisierung auf den angebundenen Preissuchmaschinen können durchaus mehrere Tage vergehen. Dies hängt von der Größe des Suchanbieters ab und liegt meist daran, dass die Daten nur einmal täglich abgerufen werden. Bei über Affiliate-Marketing angebundenen Partnern kommt noch einmal die gleiche Latenz auf Seiten der Netzwerke dazu.

Angebundene Affiliates mit kleinen Vergleichsseiten

Über kleinere Anbieter, die via Affiliate-Marketing angebunden werden, wissen manche Merchants ggf. nicht einmal Bescheid. Ohne eine Überwachung der Produktdatenverwender kann eine entsprechende Kontrolle überhaupt nicht realisiert werden.

Preisaggressive Anbieter sollten sich dessen dringend bewusst sein. Letztendlich wird wohl für alle drei angesprochenen Probleme eine Lösung gefunden werden müssen. Um die oben genannten Konsequenzen zu vermeiden, bedarf es also sowohl einer möglichst genauen Kontrolle der angeschlossenen Preisvergleicher (und deshalb eines genauen Überblicks, wer diese sind) als auch der technischen Möglichkeit, ihnen neue Daten vor der Veränderung des eigenen Shops zukommen zu lassen.

Gleichzeitig wird es dann auch im Sinne der Merchants sein, die Bereitstellung der Daten soweit es geht zu beschleunigen. Hier sind wieder Preisvergleicher (Affiliates oder nicht) sowie Netzwerke und Agenturen gefragt, um diese Prozesse zu optimieren.



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