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Wer mit wem? Vertragskonstellationen im Affiliate-Marketing

Wenn im „realen Leben“ Verträge abgeschlossen werden, wissen die Vertragsparteien in der Regel, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen und welche Verpflichtungen jeweils anfallen.

Weniger selbstverständlich sieht es aus, wenn Verträge ausschließlich Online abgeschlossen werden und mehrere Parteien involviert sind. Speziell im Affiliate-Marketing ergibt sich aus dem Vertriebsmodell Affiliate – Merchant (respektive Agentur) – Affiliate-Netzwerk eine komplexere Vertragskonstellation, die nicht immer klar erkennen lässt, in welcher rechtlichen Beziehung die einzelnen Beteiligten zueinander stehen.

Verträge schaffen Klarheit - wichtig bei vielen Beteiligten

Diese Frage ist jedoch vor allem dann von besonderer Relevanz, wenn es zu Auseinandersetzungen zwischen den Vertragsparteien kommt und diese im Extremfall rechtlich ausgetragen werden müssen. Aber schon im Vorfeld, während der Vertragsverhandlungen, kann es zu Problemen kommen. Etwa der Art, dass die Beteiligten keinen Konsens über ihre Vertragsbeziehungen finden können.
Es gibt zwei verschiedene Optionen, wie Vertragsverhältnisse aus Sicht eines Affiliate-Netzwerks gestaltet werden können:

1. Das Netzwerk fungiert als Dienstleister
2. Das Netzwerk fungiert als Vermittler

Im ersten Fall übernimmt das Netzwerk die Funktion als Dienstleister. Das bedeutet, dass sowohl der Affiliate, als auch der Merchant mittels ihrer Anmeldung bei einem Affiliate-Netzwerk einen Vertrag mit diesem eingehen. Folglich muss das Netzwerk für folgende Punkte Sorge tragen: Kontaktvermittlung zwischen Merchants und Affiliates, technische Abwicklung, Abrechnungen/Reporting sowie Zahlungsdienstleistung. Durch die Bewerbung bei einem Merchant gibt der Affiliate ein Angebot auf den Abschluss eines Online-Werbevertrags ab. Stimmt der Merchant diesem Angebot zu, geht er mit dem Affiliate eine direkte Vertragsbeziehung ein inklusive der daraus resultierenden Verpflichtungen wie z. B. Provisionszahlung und Werbeeinbindung.

Im zweiten Fall fungiert das Affiliate-Netzwerk als Vermittler. Hier schließen sowohl der Merchant als auch der Affiliate einen Rahmenvertrag mit dem Affiliate-Netzwerk ab, der Platz für weitere Unterverträge lässt. Das Leistungsspektrum aller beteiligten Parteien ähnelt der ersten Konstellation. Nur gehen hier Merchant und Affiliate ein indirektes Vertragsverhältnis über das Affiliate-Netzwerk ein.

Da sich die Vertragsverpflichtungen in beiden Varianten ähneln, macht sich der Unterschied oft erst bei Problemen bemerkbar. Erhebt zum Beispiel ein Affiliate Klage wegen ausbleibender Provisionen, muss er im ersten Fall den Merchant verklagen. Bei Variante zwei hingegen muss sich der Affiliate mit seinen Regressansprüchen an das Affiliate-Netzwerk wenden.

Komplizierter wird die Angelegenheit, wenn über die Netzwerk-AGB vertragliche Zusatzvereinbarungen getroffen werden. Ein Affiliate besteht zum Beispiel im Rahmen eines Ergänzungsvertrages auf eine kürzere Bearbeitungszeit der erbrachten Sales. Grundsätzlich bestimmt jedoch der Merchant die Bearbeitungszeit der Sales. Besteht eine direkte Affiliate-Merchant-Beziehung, ist die Regelung des Falls recht einfach: der Merchant kann der Zusatzvereinbarung zustimmen oder nicht.
Bei einer indirekten Vertragsbeziehung schaut es schon schwieriger aus. Dann müsste theoretisch das Affiliate-Netzwerk die Zusatzvereinbarung eingehen. Jedoch muss das Netzwerk auch die Interessen des Merchants berücksichtigen und kann nicht ohne Weiteres zustimmen. Schließlich besteht auch mit dem Merchant ein Rahmenvertrag, in welchem dieser Punkt geregelt ist. Zudem liegt im Fall der Zustimmung der Ergänzungsvereinbarung das volle Risiko beim Affiliate-Netzwerk. Hier müsste bereits im Rahmenvertrag eine Regelung für solche Fälle erfolgen oder eine neue Zusatzvereinbarung zwischen Affiliate-Netzwerk und Merchant getroffen werden.

Sicher mag der verträgliche Einigungsprozess aller beteiligten Parteien zeitaufwendig anmuten. Geschäftige „Unternehmer“ umgehen in der Praxis oft diesen zähen Weg, um schneller Umsätze erzielen zu können. Es ist allerdings empfehlenswert, sich die nötige Zeit für Vertragsregelungen zu nehmen. Denn bisher hat sich aus der Erfahrung immer gezeigt, dass im Schadensfall dort, wo keine oder keine nachweislich gültige vertragliche Absicherung besteht, viel mehr Geld, Zeit und Nerven beansprucht werden.

„Drum prüfe, wer sich (ewig) bindet“ – das gilt auch für das Affiliate-Marketing.



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