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Das macht dann einen Tweet, bitte

Auch heutzutage ist die Kostenlos-Mentalität im Internet noch sehr verbreitet, auch wenn bereits 2002 berichtet wurde, dass sie "(…) sich dem Ende entgegen neige …" und immer mehr Menschen bereit seien "für Informationen, Daten und Nachrichten im Netz zu zahlen". Hierzu sind aktuell lediglich 13% der deutschen User bereit. Zwar nehmen die meisten (46%) kostenlose, werbefinanzierte Angebote in Kauf, aber immerhin noch ein Drittel aller User vertritt den Standpunkt, dass Content im nicht nur kostenlos, sondern auch werbefrei sein sollte.

Einige Services existieren mittlerweile als so genannte Freemium-(free+premium) Angebote am Markt. Darunter wird ein Geschäftsmodell verstanden, bei dem ein Teil eines Angebotes als kostenloser Inhalt angeboten wird, andere Teile jedoch zahlungspflichtig sind. Zahlende Usern erhalten auf diese Art zusätzliche Services oder Einstellungsmöglichkeiten. Durch die kostenlose Variante werden Nutzer akquiriert, die das Basis-Angebot zunächst testen und bei Gefallen bereit sind, für umfangreichere Funktionen (oder Werbefreiheit) zu bezahlen.

Über Twitter hat sich nun eine neue Möglichkeit ergeben, die es erlaubt, Inhalte nicht komplett "for free" abzugeben. Mit „Pay with a tweet“ können Produkte angeboten werden, für die man als Gegenleistung einen, genau, Tweet erhält. Diese Option bietet sich natürlich nur für digitale Produkte an, die über einen einfachen Download zu erreichen sind. Der Download ist erst dann möglich, nachdem ein Tweet abgeschickt wurde. Dabei ist der Text, der getwittert wird, vollkommen egal. Lediglich die angehängte URL kann nicht verändert werden.


Screenshot Pay with a Tweet 1

Sobald der Tweet gepostet ist ...




Screenshot Pay with a Tweet 2

... erhält man einen Download-Link für das eBook


Dieser Dienst wird neben Twitter auch in einer Facebook-Posting-Variante angeboten.

Durch die Verbreitung von Tweets und Facebook-Postings können virale Effekte erreicht werden, die der Aufmerksamkeitssteiergung dienen. Musiker und Künstler beispielsweise können ihre Werke breit streuen, ohne dass der User hierfür ein Kaufrisiko eingeht, was den Anreiz fördert. Die Verbreitung einer Single via "Pay with a Tweet" könnte als Promotion für ein ganzes Album genutzt werden, ein Auszug aus einem E-Book als Werbung für das gesamte Werk.
„Pay with a Tweet“ bietet also eine weitere Möglichkeit, um im Empfehlungsmarketing aktiv zu werden und dabei zwei derzeit sehr prominente Kanäle (Facebook und Twitter) als Plattform zu nutzen. Es ist bereits mehrfach untersucht worden, dass besonders Freunde im eigenen Netzwerk für Produktempfehlungen offen sind und als sehr wertvolle Multiplikatoren genutzt werden können.

Genau darin wird aber von einigen Kritikern bereits die Gefahr der Promotion via Tweet gesehen. Die Tweets an sich können noch keine Empfehlung für ein Produkt oder eine Dienstleistung sein, denn erst durch den Tweet gelangt man ja in dessen Besitz. Vielmehr weist die Nachrichjt darauf hin, dass man sich etwas auf kostenlosem Weg beschafft hat (und sich daher noch keine Beurteilung erlauben kann). Es hängt also - und das macht die "Gefahr" aus - vom Verfasser der Tweets ab, was er seinem Netzwerk kommuniziert und wie die Botschaft dann aufgenommen wird.
Dass nicht nur virtuelle Produkte von dieser Promotionmöglichkeit profitieren können, zeigt Klaus Eck in einem Blogbeitrag, in dem als Beispiel das Hotel Domspitzen in Köln erwähnt wird, wo man sich via "Pay with a Tweet" ein Kölsch "verdienen" kann.

Abzuwarten bleibt, welche spannenden Einsatzmöglichkeiten sich in nächster Zeit auftun, und welche Gegenleistungen man in Zukunft für einen Tweet bekommt.

Beispiele für Pay with a Tweet im praktischen Einsatz:

paywithatweet
• Download einer Twitter-Studie auf Result
• Leseprobe von "Transparent und glaubwürdig" (Klaus Eck)
Hotel Domspitzen, Köln



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