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SSL-Verschlüsselung – Geht Google uns an den Kragen?

Die SEO-Szene hat einen triftigen Grund zur Besorgnis. Denn was in Amerika bereits Standard ist, wird wohl auch bald in Deutschland verwirklicht werden: die Google-Suche mit SSL (Secure Sockets Layer), einem Verschlüsselungsprotokoll, das dem User eine sichere Datenübertragung bei einer Suchanfrage im Internet garantiert. Des Users Freud ist jedoch des SEOlers Leid, denn diese Sicherung verhindert eine Übertragung der sogenannten Search Queries. Diese übermitteln die Keywords, über welche der User auf die Webseite gelangt ist und sind die Voraussetzung für Tracking und Optimierung. Zwar befindet sich Deutschland diesbezüglich noch in der Testphase, die Veränderungen der ermittelten Werte sind daher noch geringfügig. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis dies auch die deutsche Google-Suche und die gesamten Google-Benutzer betreffen wird.

Google führt die SSL-Verschlüsselung ein - mit Auswirkungen auf SEO?

Google führt die SSL-Verschlüsselung ein - mit Auswirkungen auf SEO?

Das Thema ist indes nicht neu: Schon im Sommer 2010 führte Google eine SSL-verschlüsselte Beta-Version der Websuche ein, die der User auf Wunsch unter https://encrypted.google.com nutzen konnte. Der ausschlaggebende Grund für diese Verschlüsselung liegt auf der Hand, zumindest nach Ansicht des Suchmaschinenanbieters. Da der Google-Benutzer zunehmend individueller sucht und auf diesem Wege viele persönliche Details von sich preisgibt, wird der Schutz von personalisierten Suchergebnissen fortwährend relevanter. Ist dies aber der einzige Grund für die Verschlüsselung, die nun nicht mehr freiwillig, sondern obligatorisch ist?

Betrachtet man dabei die bezahlten AdWords-Anzeigen, fällt auf, dass die Referrer-Daten nach wie vor unverschlüsselt übertragen werden, selbst wenn die Suche über https abläuft. Laut Google benötigen AdWords-Kunden diese Daten weitaus dringender, als es bei organischen Suchergebnisseiten der Fall ist. Allerdings sollte man dabei auch beachten, dass es sich bei den AdWords-Kampagnen um ein milliardenschweres Geschäft handelt.

Somit betrifft die SSL-Verschlüsselung momentan nur die organische Suche (über https://www.google.com) und die eingeloggten Google-User in den USA. SEOs und Webmaster fühlen sich dennoch bedrängt: Zwar sind die ausgelieferten Daten der Analyse-Tools weiterhin ein Ausgangspunkt für die die Webseitenoptimierung, konkrete Ergebnisse sind jedoch nicht mehr möglich.

Neben der https://encrypted.google.com-Verschlüsselung gibt es momentan auch denselben Schutz unter https://google.com. Ist diese freiwillige Möglichkeit für den User nicht ausreichend, um seine Daten zu schützen? Google zumindest sieht das nicht so. Zwar wird der prototypische Google-Benutzer von dieser Neuerung wenig spüren, doch hat dies in der SEO-Branche einige Wellen geschlagen. So gibt es Experten, die negative Auswirkungen für den SEO-Kunden vermuten: Aussagekräftige Zahlen sind nicht mehr verfügbar und die Auswahl und Konzentration auf lohnenswerte Keywords gestaltet sich zunehmend schwierig. Der Kunde hat weniger Einblick, was die Erfolgskontrolle allgemein erschwert.

Handelt es sich nun bei der SSL-Verschlüsselung lediglich um eine Erweiterung des Datenschutzes und geht es somit um mehr Sicherheit für den Google-Benutzer? Oder verfolgt Google mit dieser Neuerung insgeheim noch ganz andere Pläne? Diese Frage bleibt vorerst noch offen. Entgegen der derzeitigen Meinung in Fachkreisen gehen wir jedoch nicht davon aus, dass Google diesen Schritt allein deshalb geht, um den Abverkauf von Analytics Pro zu fördern. Dies wäre zu offensichtlich, und man kann davon ausgehen, dass der Suchmaschinengigant deutlich komplexere Ziele anvisiert.



1 Kommentar

  1. Toller + informativer Beitrag, den ich gleich mal gerne teilen werde. Eine interessante Entwicklung, wenn auch für mich noch etwas mysteriös. Mal schauen, in welche Richtung da noch weiter geht.


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