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Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Der neue Google Tag Manager

Anfang Oktober stellte Google den neuen Google Tag Manager (GTM) vor und möchte wieder einmal mit einem kostenlosen Angebot Unternehmen locken, einen essentiellen Webseitenbereich in die Hände des Internetriesen zu geben.

Angepriesen als revolutionäres Produkt, handelt es sich hier allerdings um kein Novum auf dem Markt. Neu an der Lösung ist lediglich, dass die Software kostenlos ist und damit den Markt der Tag Management-Anbieter aufwirbeln wird.

Hält der neue Tag-Manager einer gründlichen Prüfung stand?

Hält der neue Tag-Manager einer gründlichen Prüfung stand?

Auf großen und komplexen Websiteportalen ist das Einbinden von individuellen Tracking-Codes mit einem sehr hohen Aufwand verbunden. Tag-Management-Systeme gewährleisten mithilfe von Tag-Containern das problemlose Implementieren, Konfigurieren und Ergänzen von unterschiedlichen Webanalyse-Tracking-Scripts sowie Conversion- oder Remarketing-Tags. Vorteilhaft ist insbesondere die auf bestimmten Kriterien basierende individuelle Ausspielung. Hierfür bieten Tag-Management-Systeme Lösungen, bei Interaktionen auf bestimmten Bereichen der Webseite ein automatisches Tracking ohne Eingriff in die Programmierung auszulösen. Darüber hinaus können erforderliche Scripts zentral ergänzt und regelbasiert ausgespielt werden. Somit erleichtern Tag-Management-Programme die Arbeit des IT-Supports erheblich und ermöglichen dadurch eine enorme Zeit- sowie Kostenersparnis.

Der Markt der Tag-Management-Systeme ist bereits sehr differenziert und es gibt eine Reihe von Anbietern, wie beispielsweise Tealium und TagMan , die hochwertige Lösungen anbieten. Googles Vorstoß in die Tag-Landschaft ist insofern revolutionär, als das angebotene Tool Webseitenbetreibern kostenlos zur Verfügung steht, was viele Werbetreibende aufhorchen lassen wird.

Dennoch ist das neue Werkzeug des Internetriesen mit Vorsicht zu genießen, denn es weist einige gravierende Schwächen auf, die an dieser Stelle beleuchtet werden sollen:

Fehlende Service Level Vereinbarung

Das neue Tag-Management-Tool bietet genau wie Google Analytics kein Service Level Agreement (SLA). Fällt der Dienst einmal aus, bedeutet das im Fall von Google Analytics, dass der Webseitenbetreiber einige Besucherdaten verliert. Passiert dasselbe zeitgleich beim Tag-Manager kann es passieren, dass bei einem Ausfall ebenso alle Google- und 3rd-Party-Tags verschwinden. Nicht zugesicherte Leistungseigenschaften wie etwa Reaktions- oder Bearbeitungszeiten im Falle unerwarteter Leistungseinschränkungen stellen deshalb für Unternehmen ein unkalkulierbares Risiko dar.

Kein Customer Support

Für das neue Tag-Management-Tool gibt es keine designierte Kundenbetreuung, an welche sich Unternehmen im Falle von Problemen wenden können. Es stehen lediglich ein webbasiertes Lernprogramm sowie FAQs zur Verfügung. Auch auf diese Dienstleistung können somit vor allem Unternehmen nicht verzichten, deren Geschäft im Wesentlichen von der einwandfreien Funktionalität des Tag-Managements abhängt.

Datenhoheit wird abgegeben

Beim Tag-Management werden automatisch eine Menge von Daten über die Online-Aktivitäten sowie die der Webseitenbesucher gesammelt. Kostenpflichtige Anbieter gewährleisten vertraglich, dass die Daten nicht genutzt werden und sie weiterhin dem Unternehmen gehören. Bei GTM ist dieser wichtige Punkt allerdings nicht geklärt. Deshalb sollte man die Geschäftsbedingungen sehr gut studieren, um möglichen Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen vorzubeugen.

Keine Anonymisierung von IP-Adressen

Im Gegensatz zu Google Analytics bietet der Tag Manager bislang keine Funktion zur Anonymisierung von IP Adressen, welche insbesondere auf dem deutschen, aber z.B. auch dem österreichischen, Markt eine Grundvoraussetzung zum datenschutzkonformen Einsatz darstellt. Es ist somit davon auszugehen, dass der Einsatz des GTM derzeit nicht im Einklang mit geltenden Datenschutzrichtlinien erfolgen kann. Unternehmen aber auch Privatpersonen sollten sich dieser Tatsache im Klaren sein.

Fazit

Der kostenfreie Google Tag Manager befindet sich sicherlich qualitativ mindestens auf Augenhöhe mit Produkten anderer kostenpflichtiger Dienstleister und wird dazu beitragen, das Thema Tag-Management in der Online-Marketing-Branche salonfähig zu machen. Allerdings geben die aufgeführten Punkte berechtigterweise Anlass zu Bedenken. Auf der sicheren Seite sind Unternehmen mit einem Partner, bei dem die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen und Verfügbarkeitsvereinbarungen oberste Priorität genießt.



2 Kommentare

  1. Hallo Markus, vielen Dank für den Kommentar und Deine Interpretation zur Datenschutzrelevanz der IP-Übertragung.
    Meiner Auffassung nach stellt alleine die Übertragung von IP-Adresse eine Verarbeitung personenbezogener Daten dar. Ob dabei Nutzerprofile erstellt werden oder nicht, ist meiner Meinung nach nicht relevant. Dass jedoch Daten von Google erfasst und gespeichert werden zeigt folgende Einstellung des Tag Manager Kontos:
    Daten anonym an Google und andere weitergeben:
    Aktivieren Sie Benchmarking, indem Sie der anonymen Weitergabe Ihrer Website-Daten zustimmen. Google entfernt alle Informationen, die mit Ihrer Website in Verbindung gebracht werden können, kombiniert die Daten mit Hunderten von anderen anonymen Websites und erfasst Gesamttrends im Benchmarking-Dienst.“

    Freilich ist weder bekannt um welche Daten es sich genau handelt noch an wen Google diese ggfs. weitergibt. Über das Prädikat „Datenschutzrechtlich bedenklich“ dürfte Google damit wohl nicht hinauskommen…

    Sollte der Service nicht erreichbar sein ist jedoch davon auszugehen, dass sonstige Seitenelemente fehlerfrei laden. So zumindest die Theorie, vorausgesetzt der Browser unterstützt bereits das HTML5 „async“ Attribut und es wurden keine Tags für A/B- oder Multivariate-Tests in die Google Container integriert. Wohl zu banale Details um darauf in der Hilfe einzugehen… 😉
    Viele Grüße, Norman

  2. Die IP Anonymisierung ist aber nur für die Tags *im* Manager erforderlich, nicht für den Manager selber – würde ich jedenfalls so sehen, da das Tool selber keine Daten erfasst. Man muss derzeit einen angepassten Tag per Custom HTML einbinden und darf nicht das GA Template nehmen. Finde ich auch unverständlich, in Analytics gibt es ja auch immer noch keine Option dafür.

    Was passiert eigentlich, falls der Service nicht erreichbar wäre? Laden die Seiten dann noch korrekt?


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