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Google reicht der Konkurrenz die Hand

Die EU-Wettbewerbsbehörde befasste sich vor kurzem erneut mit dem Internet-Konzern Google: Konkurrenten des Suchmaschinenriesen hatten sich beschwert, dass Google sie bei der Darstellung von Suchergebnissen - vor allem für Produkte, Hotels und Restaurants - diskriminiere. Kürzlich wurde in diesem Disput eine Einigung erzielt, nach der Google nun auch die Angebote der Konkurrenz prominent in den Ergebnissen platzieren müsste. Für die Umsetzung der Regelung bedarf es allerdings noch der Zustimmung der Wettbewerber.

In dem Wettbewerbsdisput reicht Google der Konkurrenz die Hand – wird sie das Angebot annehmen?

In dem Wettbewerbsdisput reicht Google der Konkurrenz die Hand – wird sie das Angebot annehmen?

Derzeit sehen die Suchergebnisse auf Google noch folgendermaßen aus:

Quelle: EU-Kommission

Quelle: EU-Kommission

Infolge der Beschwerde der Wettbewerber wurde ein Verfahren wegen Missbrauchs der Marktposition gegen Google eingeleitet. Tatsächlich ist es so, dass Google bei der Präsentation der Suchergebnisse seine eigenen Suchdienste bevorzugt, ohne dass User über diese Bevorzugung informiert werden. Außerdem werden Inhalte von spezialisierten Suchdiensten der Konkurrenz verwendet (zum Beispiel User-Bewertungen), somit profitiert Google von Investitionen der Konkurrenz.

Im April 2013 hatte Google erste Verbesserungsvorschläge gemacht, diese wurden jedoch als ausbaufähig betrachtet. Vor kurzem schlug Google neue Änderungen vor. Diese sehen vor, dass Google-eigene Suchergebnisse durch ein Label als solche ausgewiesen werden. In den Suchergebnissen wird an prominenter Stelle auf drei relevante Konkurrenten verwiesen, die sich im Layout von den Google-Ergebnissen abheben. Drittanbieter wie Vergleichsportale können Google die Verwendung ihrer Daten verweigern, ohne dass dies ihre Relevanz in den Google-Suchergebnissen beeinflusst.

Anfang 2014 bekamen die Google-Konkurrenten die Maßnahmen zur Prüfung und Bewertung vorgelegt. Im Anschluss an deren Feedback wird die EU-Kommission festlegen, ab wann die Vorschläge für fünf Jahre rechtlich bindend werden. Wenn es nach dem aktuellen Vorschlag von Google geht, könnten die Suchergebnisse künftig so aussehen:

Quelle: EU-Kommission

Quelle: EU-Kommission

Die Auswirkungen, die diese Entscheidung auf die Online-Marketing-Welt haben wird, hängen davon ab, ob die Konkurrenz die Vorschläge von Google annimmt und wann Änderungen rechtlich bindend werden. Für das Suchmaschinengeschäft bedeutet es, dass Google seine bereits starke Position weiter festigen könnte: Denn wenn Google-fremde Inhalte in die Suchergebnisse integriert werden, wird die Suchmaschine zu einer Meta-Suche. User werden die Seiten der Konkurrenz vielleicht nicht mehr besuchen, da sie auf Google bereits Zugriff auf sämtliche Suchergebnisse haben. Auf AdWords–Anzeigen soll diese Änderung keinen Einfluss haben, aber die Produktanzeigen von Google-Shopping (Product Listing Ads) werden weniger Platz bekommen. Es ist davon auszugehen, dass dann der Wettbewerbsdruck auf diese Plätze steigt, die CPCs würden somit teurer werden. Deshalb ist es wichtig, dass Shopbetreiber ihre Produkte auch bei der Google-Konkurrenz einpflegen, damit ihre Produkte selbst dann platziert werden können, wenn die Teilnahme an einer Google-Auktion nicht erfolgreich war.

Auf den Bereich der Suchmaschinenoptimierung wird die Einblendung von Konkurrenzergebnissen nicht viel Auswirkung haben; allerdings können Suchdienst-Konkurrenten von Google davon profitieren, dass ihre Seiten suchmaschinenoptimiert sind, da die Ergebnisse hier auf dem Ranking der organischen Suche basieren.

Spannend ist nun, ob sich die Wettbewerber von Google mit diesem Vorschlag einverstanden zeigen. Falls ja, stellt sich die Frage, nach welchem Algorithmus Google die Ergebnisse der Konkurrenz einblenden wird. Um optimal auf die Änderung reagieren zu können, müssten zuerst einmal Erfahrungswerte gesammelt werden.



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