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iBeacon – Gamechanger im M-Commerce?

Der M-Commerce gewinnt an Bedeutung: Seit etwa zwei Jahren nehmen die Zahlen der Verkäufe auf mobilen Endgeräten konstant zu und es wird erwartet, dass der Umsatz auf mobilen Geräten den Umsatz, der über Desktop-Computer generiert wird, bald überholen wird.

iBeacon – Gamechanger im M-Commerce?

iBeacon – Gamechanger im M-Commerce?

Die auf der Cebit vorgestellte Prognose verdeutlicht den erwarteten Trend:

Das erwartete Wachstum des M-Commerce

Das erwartete Wachstum des M-Commerce

Im Zusammenhang mit dem M-Commerce der Zukunft fällt immer wieder der Begriff iBeacon. Dieser beschreibt eine Technologie, die ursprünglich von Apple entwickelt wurde. Bei „Beacons“ handelt es sich um kleine Sender, die über den Übertragungsstandard BLE (Bluetooth Low Energy) mit einem Smartphone in Kontakt treten können. Aufgrund ihrer eingeschränkten Reichweite (bis 30 Meter) finden die Sender vor allem innerhalb von Gebäuden Anwendung. Mehrere Module ermöglichen eine sehr genaue Ortung (+/- 20cm) sowie den Datenaustausch mit dem Empfangsgerät (meist ein Smartphone).

Im Bereich Location-based Marketing wird die Beacon-Technologie von führenden Experten als der nächste Quantensprung angesehen, da die Verwendung viele unterschiedliche Funktionen möglich macht und damit bisher ungenutzte Bereiche einschließen soll. Die äußerst genaue Ortung ist insbesondere für den Einzelhandel attraktiv. In einem Kaufhaus bestünde damit beispielsweise die Möglichkeit, den Kunden über eine App auf seinem Smartphone gezielt an das Regal mit dem gesuchten Produkt zu führen. Konsumenten können außerdem gezielt im Geschäft mit Werbung angesprochen werden, um auf Aktionen oder Sonderangebote im Laden hinzuweisen.

Für den Offline-Handel birgt die Beacon-Technologie damit ein riesiges Potential. Bisher waren die Kunden für den Inhaber eines Ladens anonyme Personen, von denen nur die letztendlich getätigten Käufe bekannt waren. Mit der Beacon-Technologie jedoch kann dem einzelnen Kunden ein Profil aus Interessen, Vorlieben und Zahlungspräferenzen zugeordnet werden. Diese gesammelten und kombinierten Informationen kann ein Ladenbetreiber verwenden, um auf den einzelnen Kunden zugeschnittene Werbung zu platzieren und ihn während des Aufenthalts im Laden mit interessanten Zusatzinformationen (Hinweise auf Rabatte, Sonderangebote etc.) zu versorgen. Im Interview mit mobilbranche.de erklärt Joachim Himmelreich ein Anwendungsbeispiel für Beacons, die speziell für den Einzelhandel in der Zukunft von großer Bedeutung sein dürften:

Wie die Beacon-Technologie im Einzelhandel eingesetzt werden könnte

Wie die Beacon-Technologie im Einzelhandel eingesetzt werden könnte

Wird ein Einzelhandelsgeschäft mit Beacons ausgestattet, kann der Kunde sich mit seinem Smartphone und einer kompatiblen App im Geschäft einchecken. Dort erhält er angefangen bei der Begrüßung und dem Hinweis auf spezielle Aktionen im Laden auch eine Indoor-Navigation, die so präzise ist, dass sie ihn bis direkt vor den gesuchten Artikel an das richtige Regal leiten kann. Im Anschluss an die Produktauswahl ist dann das mobile Zahlen im Geschäft möglich. Laut Himmelreich liegt das große Potential darin, dass der Betreiber des Geschäfts mithilfe der Beacon-Technologie einen Werbekanal schafft, der jeden Kunden persönlich mit zugeschnittener Werbung versorgt. Damit entsteht das letzte fehlende Puzzleteil im Marketing für ein ganzheitliches Omni-Channel-Modell, mit welchem dem Kunden die für ihn passende Werbung in jedem möglichen Kanal bereitgestellt werden kann.

Eine kostengünstige Integration des stationären Handels in die digitale Welt ist der nächste logische Schritt im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung. Beacons sind äußerst preiswerte Module. Schätzungen zufolge kann ein mittelgroßes Kaufhaus bereits für 5.000 Euro komplett mit Beacons ausgestattet werden. Einer Studie von Mücke Sturm Company zufolge könnten fünf Prozent der deutschen Fläche im Einzelhandel mit nur 1,5 Millionen Euro vollständig mit Beacons ausgestattet werden. Der hierbei erzielte ROI dürfte um einiges höher liegen als die Investitionskosten.

Allerdings gibt es auch Bedenken hinsichtlich der günstigen Verbreitungsmöglichkeiten von Beacons: Mit einer weitreichenden Verbreitung und folglich einer großen Anzahl von Nachrichten, die ein Kunde auf sein Smartphone bekommt, steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Spamnachrichten. Ebenso könnte die Überhäufung mit Sonderangeboten, Coupons etc. den Kunden verwirren und eventuell von der Nutzung der Technologie zurückhalten. Das System wird nur funktionieren, wenn für den Kunden tatsächlich relevante Inhalte und ein Mehrwert erzeugt werden.

Hinzu kommt, dass allen datenschutzrechtlichen Bedenken mit hohen Sicherheitsstandards begegnet werden sollte. Gerade bei sensiblen Themen, wie einer Zahlungsabwicklung über ein mobiles Gerät, sind die Deutschen bisher sehr zurückhaltend. Einer kürzlich veröffentlichten Nielsen-Studie zufolge würden 55 Prozent der Deutschen auch dann nicht mobil bezahlen, wenn der Vorgang 100-prozentig sicher wäre. Hier bedarf es flächendeckender Überzeugungsarbeit, Kunden die Technologie mitsamt ihrer Vorteile schmackhaft zu machen.

Eine positive erste Erfahrung mit der Technologie, um dem Kunden die Angst zu nehmen, ist also von großer Bedeutung. Die Herausforderung ist, die Nutzer zu überzeugen. Nur dann wird sich die Technik mit großer Wahrscheinlichkeit großflächig verbreiten. Der in Zukunft aufkommende Wettbewerb verschiedener Zahlungsanbieter wird für den Kunden vorteilhaft sein. Dem Konzern Apple wird hierbei das größte Potential zugeschrieben, da aus dem Geschäft im iTunes Store bereits mehrere hundert Millionen Zahlungsdaten vorliegen und auch iPhones als mögliche Bezahlplattform weit verbreitet sind.

Die Beacon-Technologie birgt in jedem Fall das Potential Marketing im stationären Handel zu verändern und in die digitale Welt zu überführen. Hierfür muss die Verbreitung allerdings vorangetrieben werden. Die Massenverwendung ist deshalb erst wahrscheinlich in den kommenden Jahren zu erwarten.



1 Kommentar

  1. Ross Cricton sagt:

    Danke Max,

    ein interessantes Thema das sicherlich auch auf uns zukommt. Ich denke aber wann es am jeden Eck noch ein Sonderangebot gibt denn ist die Gefahr groß das Beacon zu deaktivieren.

    Ross


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