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Qwant vs. Google: Wo sucht es sich besser?

Vergangene Woche wurde in Deutschland der offizielle Start der französischen Suchmaschine Qwant bekannt gegeben. Der Mitbegründer Eric Léandri betonte bei der Pressekonferenz am 04.03.2014, das Besondere sei, dass der Fokus der Suchhilfe auf Privatsphäre und Sicherheit liege. Damit trifft er bei besorgten Usern direkt ins Schwarze, die aufgrund der jüngsten Datenschutz-Skandale gerade in Deutschland noch sensibler auf die Thematik reagieren. Kann Qwant als Alternative zu dem großen Konkurrenten Google überzeugen? Mit drei unterschiedlichen Suchanfragen haben wir getestet, wie erfolgreich die Suche mit der neuen Maschine sein kann.

Qwant vs. Google: Wo sucht es sich besser?

Qwant vs. Google: Wo sucht es sich besser?

Im Gegensatz zu den etablierten Suchmaschinenanbietern werden die Ergebnisse in Kategorien „vorsortiert“ und in unterschiedlichen Spalten dargestellt. Hierbei wird zwischen Netz, Nachrichten, Qnowledge Graph, Sozial und Shopseiten unterschieden. Des Weiteren werden im oberen Bereich relevante Foto- und Videobeiträge angezeigt.

Aufbau der Suchergebnisseite von Qwant

Aufbau der Suchergebnisseite von Qwant

Ob diese Aufteilung sinnvoll für die Suche ist, sollte mit drei unterschiedlichen Suchanfragen geprüft werden.
- Lokale Suche: Vietnamesisches Restaurant München
- Produktsuche: Digitalradio
- Dienstleistungssuche: Billigflüge Spanien

Bei der lokalen Suche nach einem vietnamesischen Restaurant findet sich bei Google im oberen Bereich eine bezahlte Anzeige eines Restaurants, danach folgt ein Artikel der Süddeutschen Zeitung mit den besten vietnamesischen Restaurants in München und darunter werden weitere Restaurant-Links angezeigt. Die Relevanz der Suchergebnisse ist sehr hoch. Der User findet schnell, wonach er sucht.

Suchergebnisse für "vietnamesisches Restaurant München"

Suchergebnisse für "vietnamesisches Restaurant München"

Bei Verwendung desselben Suchbegriffs in Qwant ist einer der Links in der Kategorie „Netz“ ein Artikel der Süddeutschen Zeitung. Das verwundert ein wenig, denn diesen Link würde der Nutzer eher der Spalte „Nachrichten“ zurechnen – diese ist unterdessen leer. In der Spalte „Qnowledge Graph“ rankt als einzige die Tripadvisor-Seite zu München. Hilfreich ist, dass im Social Stream direkt Userbewertungen zu vietnamesischen Restaurants erscheinen. Weniger Sinn ergeben dafür die Ergebnisse des Bereichs „Einkaufen“, in dem Anzeigen wie „Design Heizkörper München weiß“ und weitere Möbel als Ergebnisse für die Suche angezeigt werden. Die Videos und Bilder im oberen Bereich hingegen sind Material von den Webseiten der Restaurants oder von Lieferservices – und damit sehr relevant.

Der zweite Suchbegriff soll ein Produkt, in diesem Fall das Digitalradio sein. In Google erscheinen ganz oben die Shopping-Ergebnisse inklusive Bilder. Das Produkt wird direkt mit Preis angezeigt. Danach folgen Informationsseiten zum Digitalradio allgemein. Als nächstes stößt der User auf Tests und Angebote von Computerbild und Amazon mit Gerätevergleichen. Der Suchende findet ziemlich schnell die relevanten Seiten für seine Anfrage.

Aufbau der Suchergebnisseite von Google

Aufbau der Suchergebnisseite von Google

Mit dem gleichen Suchbegriff in Qwant gestalten sich die Ergebnisse etwas anders: In der Spalte „Netz“ erscheint wie auch in Google zunächst eine Informationsseite zum Digitalradio im Allgemeinen. Danach folgt ein Link zur Seite von Wikipedia, die allerdings auch im Qknowledge-Graph mit zusätzlichen Textausschnitten vertreten ist. In der Nachrichten-Kolumne findet der User unterschiedliche Artikel, in denen bestimmte Anbieter Digitalradio als Service anbieten. Seltsam und irrelevant ist weiter unten der Link zu einem Artikel „Renault Twingo feiert auf dem Genfer Automobilsalon Weltpremiere“. Die Relevanz dieses Suchergebnisses im Zusammenhang mit dem verwendeten Suchbegriff lässt sich nicht erklären. Im Bereich „Sozial“ findet man Tweets zu dem Thema im Allgemeinen, die aber bei der Gerätesuche nicht wirklich weiterhelfen. In der Spalte „Einkaufen“ werden Geräte mit Bild und Preisangabe angezeigt, was die Ergebnisse sehr relevant macht. Das Gleiche gilt für die Videos und Bilder im oberen Bereich, die zum Suchthema passen.

Für die Suche nach „Billigflüge Spanien“ erscheinen in Google relevante Anbieteranzeigen, sowohl im bezahlten als auch generischen Bereich. Nach einigen Vergleichsseiten folgen direkt die Airline-Anbieter.

Suchergebnisse für "Billigflüge Spanien"

Suchergebnisse für "Billigflüge Spanien"

Wird dieselbe Suche in Qwant durchgeführt, finden sich unter „Netz“ ähnliche Ergebnisse von Vergleichsseiten und Airline-Anbietern. In den Kolumnen „Nachrichten“ und “Sozial“ herrscht gähnende Leere und in der Spalte „ Einkaufen“ findet der User vom „Spanien-Set“ über eine „Spanien DVD“ zumindest Dinge, die ihn oder sie auf einen Aufenthalt kulturell vorbereiten könnten. Bei den visuellen Links ist die Trefferquote erneut relativ gering. Die Ergebnisse reichen von selbstgedrehten Urlaubsfilmen bis zu Musikvideos, die keinen erkennbaren Zusammenhang mit dem Suchbegriff haben.

Fazit:
Der Schutz der Privatsphäre ist vielen Nutzern wichtig, dennoch sind schnell verfügbare und relevante Informationen von mindestens ebenso grundlegender Bedeutung. Qwant schafft es leider nicht hier zu überzeugen. Die Integration von Social Streams und Shopping-Seiten ist zeitgemäß, allerdings nicht immer sinnvoll. Gerade was den Punkt Relevanz anbelangt, muss die neue Suchmaschine deshalb noch einiges aufholen, um mit Googles Ergebnissen mithalten zu können. Sucht ein User etwas Bestimmtes, so helfen soziale Signale oder Produktergebnisse nur weiter, wenn sie wirklich zum Thema passen.
Generell erscheint die Aufteilung der Ergebnisse nicht immer optimal für die Suche zu sein und damit auch nicht für den Suchenden. Es bleibt abzuwarten, ob die Netzgemeinde in Deutschland die neue Alternative zu Google nutzen wird. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint das eher unwahrscheinlich.



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